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WIEN - GAUBEFEHLSSTAND

 


Gaubefehlstand Wien-Ottakring

Bunker von Baldur v. Schirach


Schon 1942 soll im Zuge der Luftsicherung über Wien mit dem Bunkerbau begonnen worden sein. Bei der Besichtigung der Baustelle durch Baldur von Schirach soll auf ihn ein Attentat verübt worden sein. Es dürfte aber nur ein wütender Zwangsarbeiter auf ihn losgegangen sein. Danach hat Baldur von Schirach das Gelände nie wieder betreten.

Es wird heute gerne behauptet, der Bunker hat nie aus mehr bestanden als dem was heute noch sichtbar ist. Von ehemaligen BDM-Mädels, welche dort auch zum Funkdienst eingeteilt waren, wurde aber berichtet, daß man durch den versprengten Stollen erst in den eigentlichen Bunker kam.

(Pläne sind absolut nicht aufzutreiben. Angeblich hat die für die Örtlichkeit zuständige Feuerwehr Wien-Ottakring jedoch einen solchen.)

Der Bunker soll 10 Stockwerke tief gewesen sein und in schwimmender Bauweise errichtet. Dies bedeutet, daß man die "Baugrube" zuerst ausbetoniert hat und danach den Bunker auf Sockeln hineingebaut hat. Dies war notwendig um den Bunker trocken zu halten, da es am Gallitzinberg so viele Quellen gibt. Dies klingt alles sehr großspurig. Was dafür aber spricht ist die Tatsache, daß es weiter unten am Gallitzinberg kreisförmig verteilte, bunkerhaft aufgebaute Abstiege in ein Entwässerungssystem gibt. Dies dürfte aber desolat sein, da bei einem des öfteren das Wasser austritt und bis über den Wanderweg läuft. Die Abstiege sind mit Steigeisen versehen und sehr tief.

Der Bunker soll zentral belüftet und beheizt worden sein. Hierfür sprechen die Lüftungsschlitze, die es alle paar Meter seitlich oben in den Stollen gibt. Würde die Anlage tatsächlich nur aus den Stollen bestanden haben, hätten einige Luftschächte nach oben ins Freie vollauf genügt.

Es ging auch immer das Gerücht um daß der Bunker geflutet wurde. Das halte ich für Unsinn. So berichtete mir Mitte der 70er ein Sport und Rettungstaucher, er hätte versucht durch das Entwässerungssystem in den Bunker zu tauchen. Diese Aktion hatte er aber abgebrochen, das das Wasser so brackig und Schwarz war und er kaum etwas sehen konnte. Es ist natürlich möglich, daß der Bunker zumindest zum Teil vollgelaufen ist, da das Entwässerungssystem offenbar verstopft ist und durch den gesprengten Stollen natürlich jede Menge Schnee und Regenwasser eintreten kann.

Nach dem Krieg waren die Eingänge offen und die Einrichtung wie Betten Stühle Tische noch vorhanden. (Der eigentliche Abgang zum Bunker war schon gesprengt, angeblich von SS.) Wurde jedoch nach und nach geplündert, auch was die technischen und elektrischen Anlagen betrifft. Auf Grund dessen was man noch sehen kann, war der kleine Raum am Ende der Treppe 3 jener, von wo der Bunker mit Frischluft versehen wurde.

Sämtliche Wände der Stollen sind stark verrußt, was auf einen Brand hinweist. Wann der aber war weis man nichts

 

So um 1977-78 macht ich mich mit einem Freund auf um die Bunkereingänge zu suchen. Der obere Eingang war verschüttet und nur durch eine Erdmulde zu erkennen. Außerdem lag er genau auf der Spielwiese der dort befindlichen Jubiläumswarte mit Gasthof. Also nach unten durch den Wald. Der untere Eingang war massiv mit Beton vergossen. Wir kletterten auf den Eingang und beschlossen uns eines Nachts dort einen Einstieg zu meißeln. Als wir dann des Nachts bestens ausgerüstet wieder kamen und das Erdreich über dem Eingang wegschaufelten, stellten wir fest, daß die schwerste Arbeit irgend jemand schon lange vor uns gemacht hat. Nämlich ein Loch durch die dicke Betonschicht zu bekommen. So ließen wir uns nach unten gleiten und landeten auf dem Erdhaufen, der auf dem Foto verschütteter Eingang von innen zu sehen ist. Wie wir auch innerhalb sehen konnten, muß da schon jemand vor etlichen Jahren sehr emsig gewesen sein und versucht haben, sich durch den versprengten Gang in den Bunker vorzugraben. Dies erklärt auch die viele Erde und Geröll in Quergang 2 und Treppe 3.Sämtliche Gänge waren trocken. Keinerlei Wassereintritt oder Feuchtigkeit.

Nach vermessen der Gänge und Treppen kam ich zu dem Entschluß, daß sich der  Verlauf des versprengten Bunkerabgang direkt unter Treppe 1 fortsetzen mußte oder sich bereits der Bunker selbst darunter befindet.

So kehrten wir wieder mit frisch gespitzter Spitzhacke und begannen am Treppenabsatz von Treppe 1 zu Quergang 1 ein Loch in den Beton zu Schlagen. Welch ein Unsinn Reich III - Beton so zu Leibe zu rücken. Betonsplitter flogen durch die Gegend und bald war die Spitzhacke so Rund wie ein Katzenbuckel. Dennoch gelang mir ein Loch von ca. 40 cm Tiefe, wo ich nun auch tatsächlich auf ein Belüftungsrohr stieß, wie sie sich auch an den Oberseiten der Stollen befinden. Allerdings ein Weitergraben ohne Preßlufthammer war letztenendes absolut sinnlos.

Als wir 1982 nochmals hinunterstiegen, ertappte uns die Polizei in voller Ausrüstung am Parkplatz Gallitzinberg spät nachts. Die Sache flog auf, was mir ein Verhör durch die Staatspolizei verschaffte, wo man mich beschuldigte den Bunker und den Wachbunker geöffnet zu haben und ob ich Waffen gefunden hätte und anderen Unsinn.Man war der Meinung, daß nun bei offenem Bunker Nazis dort Hitlerkulte feiern würden ( irgend ein Idiot hatte auch noch "Kultraum" im Wachbunker gesprüht, siehe Foto) und so wurde 1983 der Wachbunker geschliffen und der untere Eingang samt davor befindlichen Ebene mit Baggern verschüttet.

 

Im Jahre 2003 wurde der Bunker von einer Kommission wieder geöffnet. Auch ein Buch über den Schirachbunker kam heraus. Was die Zeitungen 2003 dazu schrieben, hat mir unzählige Lachkrämpfe beschert. So z. B. das der Bunker zum ersten mal nach dem Krieg wieder geöffnet wird und man dort den Nazischatz sowie die Waffensammlung Adolf Hitlers vermute. Auch in dem Buch steht ähnlicher Unsinn. So hätte die Ottakringer Bevölkerung damals die Thaliastraße  ( breite Straße die durch ganz Wien-Ottakring bis fast zum Gallitzinberg führt) scherzhaft  als "Heldenstraße" bezeichnet, da sich bereits vor dem öffentlichen Fliegeralarm eine Wagenkolonne mit Baldur von Schirach und anderen Nazibonzen zum Bunker auf den Gallitzinberg begaben.

Schirach hatte keine militärische Befehlsgewalten sondern nur rein politische. Dann ist es auch blanker Unsinn mit dem Wagen rund 15 Km von der  Wiener Hofburg wo er residierte. nach draußen zu fahren wenn Fliegeralarm ist. Selbst wenn er es als erster erfahren hätte. Noch dazu wo es jede Menge Fehlalarme gab und es meistens schon kurz nach der Vorwarnung krachte.

Baldur von Schirach liebte den Prunkt und feudales Leben und war obendrein ausnehmend feige. So ließ er sich Kellerräume unter der alten Hofburg herrichten und Prunkvolle Möbel und Teppiche der Habsburger von oben in den Keller schaffen,  Er hauste dort unten in ständiger Angst und hatte über das was oben vorging keinen Überblick mehr. Letztere Information stimmt ganz sicher. Sie stammt von Otto Skorzeny, welcher ein alter Freund meiner Familie war und trotz Einreiseverbot und zur Schande der österreichischen Staatspolizei in Österreich aus und einging wie ihm es paßte.

Wolfgang Kröppl




WACHBUNKER AN DER STRASSE (VORGELAGERTER WACHBUNKER)


Gang 1


Gang 2



Aufenthalts- oder Schlafraum mit Ofenheizung


Zugemauerter Eingang von Innen.



AUFNAHMEN VOM SCHIRACH-BUNKER

 


Gewölbe im Hauptgang vor Halle mit Obergeschoß


Durchbruchversuch am 1. Treppenabsatz



Bunkerabgang von der SS gesprengt


2. Quergang von Treppe 2 zu Treppe 3. Abgang zum Bunker



Quergang vom 1. Treppenabsatz zur 2. Treppe


Quergang 3



Druckwellenbrecher


WC hinter Druckwellenbrecher



Halle 1 mit Loch in der Zwischenwand


Halle 2



Halle 3


Kleiner Raum am Ende der Treppe 3



Treppe 3


Verschütteter Eingang von Innen



Links: Treppe zur Jubiläumswarte


Copyright der Fotos und Texte: W.K.


Baldur von Schirach: Geboren am 9.5.1907 in Weimar, gestorben am 8.9.1974 in Kröv/Mosel. Reichsjugendführer und ab 1940 Gauleiter und Reichsstatthalter in Wien. Im Nürnberger Prozeß 1946 zu 20 Jahren Haft verurteilt und 1966 entlassen


 



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