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BRIEF VON MARTIN BORMANN




Links Martin Bormann im Gespräch mit 
Hitlers Adjutant Julius Schaub.
 

Um näher beleuchten zu können wie sehr der Obersalzberg in den 30er und 40er-Jahren sein Gesicht veränderte, zeigen wir hier den Text eines Briefes, den Martin Bormann 1941 schrieb:
 

 

VERWALTUNG OBERSALZBERG
Reichsleiter Martin Bormann 
Fernruf: Berchtesgaden ####
Bo/Si

Führerhauptquartier, 27.12.1941
 

Ich lernte den Obersalzberg zum ersten Male im Jahre 1930 kennen, als ich damals mit meiner Frau die Schwester des Führers besuchte; sie führte damals ihrem Bruder den Haushalt in dem damaligen kleinen Haus "Wachenfeld". Wie die alten Bilder von diesem ersten Haus "Wachenfeld" zeigen, handelte sich es um ein kleines Haus mit verhältnismäßig großem Garten. Die öffentliche Straße, die damals etwa 2,50 Meter breit war, führte unterhalb des Hauses vorbei zu dem damaligen Gasthof "Zum Türken" (Vordereck), stieg dann an bis zum Hintereck und führte von dort aus weiter zu Gasthof und Pension "Moritz" (Platterhof). Der Obersalzberg machte damals noch ganz jenen Eindruck, den Richard Voß in seinen Erinnerungen niederschrieb. Nur wenige Fremde kannten ihn und das war ja auch der Grund, warum Dietrich Eckart Anfang des Jahres 1923, als er steckbrieflich gesucht wurde, von seinen Freunden nach dem Obersalzberg gebracht worden war. Wenn der Führer recht erinnert, war es damals Christian Weber, der dem Führer den Vorschlag machte, Dietrich Eckart auf den völlig abgelegenen und einsamen Obersalzberg zu bringen. Eckart wohnte dort zusammen mit dem Führer im "Platterhof" unter dem Namen Hoffmann, bis er sich eines Tages anderen Gästen offenherzig als Dietrich Eckart vorstellte. Man brachte ihn dann im so genannten "Dietrich-Eckart"-Haus, das heute dem Beamtenbund gehört, oberhalb des Gasthofes Vorderbrand südlich der Scharitzkehl unter. 1932 ließ der Führer das Haus "Wachenfeld" zum ersten Mal erweitern; es wurde eine Veranda und eine Terrasse vorgebaut. Den Namen "Berghof" erhielt das Haus bei seinem letzten großen Umbau im Jahre 1935/36. 

Seit ich Stabsleiter beim Stellvertreter des Führers geworden war, also seit Mitte 1933, war ich des öfteren dienstlich bei Aufenthalten des Führers auf dem Obersalzberg und seit 1933 begann der Obersalzberg in immer stärkerem Masse zum Wallfahrtsort vieler Deutscher zu werden. Das war schön, nahm andererseits aber dem Führer weitgehend jene Ruhe, die er nun einmal brauchte, um im notwendigen Abstand Vergangenes zu überdenken und Zukünftiges zu planen. Wenn der Führer in Ruhe arbeiten oder Besprechungen führen wollte, dann standen die Volksgenossen am Zaun, der damals verhältnismäßig eng Haus "Wachenfeld" umfriedete und riefen im Sprechchor: "Wir wollen unseren Führer sehn!" Selbst bei schlechtem Wetter standen neugierige oder begeisterte Volksgenossen am Zaun oder im Gelände rings um das Haus "Wachenfeld" und versuchten mit kleinen und großen Ferngläsern, den Führer zu entdecken. Zum ersten Mal war mir klar geworden, wie notwendig es war, dem Führer auf dem Obersalzberg weitere Ruhe und Erholung zu sichern. Abgesehen davon mußten die Verhältnisse auf dem Obersalzberg auch der Sicherheit des Führers wegen unbedingt geregelt werden. Dicht unterhalb des Hauses "Wachenfeld" führte die öffentliche Straße vorbei, an der Westseite ebenfalls ganz nahe ein Fußweg zu dem jetzigen Gästehaus, das damals dem Arnhold'schen Pensionsverein in Dresden gehörte und weiter zum Platterhof. An der Südseite oberhalb des Hauses "Wachenfeld" führte ein Kuhweg, von dem Fremde unablässig die Rückseite des Hauses beobachteten, vorbei. Nach wiederholten, immer dringlicheren Bitten erlaubte mir endlich der Führer die Regelung diese untragbaren Verhältnisse und nun - 1935 - fing ich an, Stück um Stück, Lehen um Lehen, zu kaufen. Da der Führer mir jede Zwangsmaßnahme gegen die Besitzer verboten hatte, mußte ich leider unerhörte Preise bezahlen; durch den Fremdenverkehr, den des Führers Anwesenheit zum Obersalzberg gezogen hatte, verdienten die Bauern sehr gut, während sie vor 1933 fast durchweg stark verschuldet waren.; sie verlangten daher unerhörte Preise für die Aufgabe ihrer kleinen Gold-gruben. Ich war damals sehr viel am Obersalzberg und lief Quadratmeter um Quadratmeter ab, was bei den starken Höhenunterschieden und bei dem Fehlen jeglicher Wege viele Liter Schweiß kostete. Wenn trotz seiner Robustheit mein damaliger Adjutant Sellmer einen Herzklaps bekam, so war das wirklich kein Wunder. 

Inzwischen war mehrfach eine Verstärkung des SS-Kommandos notwendig geworden. Deshalb wurde die von mir gekaufte Villa "Sonnenköpfl", in dem das Kommando zunächst untergebracht war, abgebrochen und die Schutzstaffelin Baracken untergebracht, die anstelle des heutigen Kindergarten-Hauses aufgebaut wurde. Beschleunigt wurde an der Bau der Kasernen gegangen. 
Während der Hauptbauzeit hatten wir vierzehn große Arbeiterlager (Baracken-Lager) und über sechstausend Arbeiter; als es nach und nach gelungen war, einen brauch-baren Arbeiterstamm zu erhalten, begann der Bau des Westwalls und damit der Abzug tausender Arbeitskräfte! 

Um die von mir gewünschte Gestaltung des Obersalzberg durchführen zu können, musste ich alle alten Häuser am Obersalzberg abbrechen lassen; insgesamt waren es wohl über fünfzig. Die Abbrüche wurden mit möglichster Beschleunigung durchgeführt, um den Führer den hässlichen Anblick der Abbrüche zu ersparen. 

Das Ansehen des Führers verlangte es, dass auch nicht eine unserer technischen Anlagen in unzeitgemässen Momenten meinetwegen bei Staatsbesuchen, versagte. Da die Stromzufuhr aus Berchtesgaden leider häufig aussetzt wurde im Gutshof ein Notstrom-Aggregat aufgestellt, das bei Aussetzen des Berchtesgadener Strom automatisch nach wenigen Sekunden die Stromerzeugung aufnimmt. Alle Strom-Kabel und Fernsprech-Kabel wurden ausserdem zur Sicherung doppelt verlegt (Ringleitungen). Die Gesamt-Anlage sollte in jeder Hinsicht mustergültig ausgebaut und geführt werden. Letzteres setzte wieder die Heranziehung besonders tüchtiger Arbeitskräfte voraus; auch diese Frage konnte im grossen und ganzen befriedigend gelöst werden. Zur Führung der umfangreichen Verwaltung holte ich mir von der Strassenbau-Firma Polensky & Zöllner zwei Männer, die ich in den Jahren ihrer Tätigkeit am Obersalzberg als besonders tüchtig erkannt hatte: 

den Verwaltungsführer Dipl. Ing. Dr. Reinhardt und 
den stellvertretenden Verwaltungsführer Ing. Schenk. 
Neben Ihnen wirken tüchtige Gärtner, Oberheizer, Gutsverwalter, Aufzugsmeister, Wagenmeister und deren Hilfskräfte.


**  Quelle: Beierl, Florian M. "Geschichte des Kehlsteins, Ein Berg verändert sein Gesicht". Anton Plenk Verlag, Berchtesgaden 1994.


 


Einer von vielen Kontrollpunkten am Obersalzberg. Dieser befand sich direkt unterhalb von Hitlers Berghof (Posten II).


Die selbe Stelle - von der gegenüberliegenden Seite aus - im Jahre 2007.

 

 



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