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Kriegsbericht
Verfasst von Horst Dehnst
Sie dürfen die Berichte wie auch Bilder in Ihrer Internet Seite veröffentlichen.
Mit freundlichen Grüssen
Horst Dehnst
Die Medien berichten heute über viele Kriegsgebiete
auf unsere Welt. Kein Land hat aus den vorausgegangenen Kriegen gelernt. Je
älter ich werde um so mehr Erinnerungen habe ich aus dem 2. Weltkrieg.
Durch Bombardierungen sind zum Beispiel am „Langer
Segen“ das Kino „Kaiserkrone“ in Schutt und Asche vernichtet worden.
Der Besitzer: Jud Ehrlich wurde am 6 Dez. 1941 mit seiner Familie verhaftet
und auf nimmer Wiedersehen nach Minsk in die UDSSR verbannt.
Am 13 Okt. 1943 es war Vollalarm liefen wir wie so oft
zum Annenbunker. Oft waren die Flugzeuge zum Bombardieren schneller da als
wir den Bunker erreichen konnten. Die „Tannenbäume“ standen schon am
Himmel über der Holstenbrauerei. Wir waren eben am Bunker angekommen als die
ersten Bomben fielen. Rein in Tor und schon krachten die Türen des Bunkers
durch den Luftdruck der Bomben ins Schloss gerettet !
Das Haus in der Treppenstrasse gegenüber dem Rathaus in
dem wir wohnten wurde am 13 Dez. 1943 durch Bomben zerstört. In der
Koldingstrasse 5 fanden meine Eltern mit mir eine neue Bleibe. Wir hatten
nichts mehr außer was wir am Leib trugen aber wieder ein Dach über den
Kopf. Unser 2. Zuhause waren die Bunker um die Koldingstrasse verteilt. „Annebunker-Christianebunker-der
Gerhardbunker.
Eine Tante aus Trier wollte wegen Heimweh nach Kiel zurück.
Meine Mutter brachte mich zur Großmutter und so machte meine Mutter sich auf
den Weg nach Trier. Vor dem Haus meiner Großmutter in Ellerbek Hollwisch 23
standen 3 Tonnen. Bei Alarm kam ein ältere Herr und öffnete die Hähne der
Tonnen. Nach kurzer Zeit kam Nebel aus den Tonnen. Es dauerte gar nicht lange
und Ellerbek stand im Nebel. Für uns Menschen war der Nebel nicht gut verträglich
denn es brannte uns in den Augen und im Hals.
Auch erinnere ich mich an ein Kino „Bildström-Kino“.
Es stand vor dem Haus Koldingstrasse 5 welches unser neues Zuhause war. Auch
dieses Kino wurde durch Bomben den Erdboden gleich gemacht. Hier wurden
Schrottautos und andere zerstörtes Fuhrwerk gestapelt. Für uns Kinder ein
idealer Spielplatz. Jedoch mussten viele Schrammen und Wunden von der Mutter
verarztet werden die wir uns an den scharfen Blechkanten zugezogen hatten.
Unser Entdeckungsdrank war auf dem Schrottplatz nicht zu Ende. Wir spielten
in den Ruinen der Häuser Koldingstrasse/Ecke Brunswikerstrasse. Dort lagen
oft tagelang Leichen die nicht beerdigt werden konnten weil die Bombardierung
auf Kiel sich häufte. Als Kinder haben wir es als gegeben hingenommen aber
heute ist es eine grausige Erinnerung.
Wie schon erwähnt war ich mit meiner Mutter off
alleine. Meine Zwillingsgeschwister waren im Krieg. Meine Schwester als
Krankenschwester und mein Bruder an der Front in Russland. (Gefallen im 18.
Lebensjahr) bis heute konnten wir ihn keine Ruhestätte betten. Mein Vater
war verwundet. Er musste nach seiner Genesung 1944 Gefangene Russen in Dorf
Russe Kreis Rendsburg beaufsichtigen. Eines Tages brachte er 6 der gefangenen
Russen mit in unserem
Schrebergarten. Dort sollten sie Holz zusägen um für uns Feuerholz für den
Küchenherd zu haben. Mein Vater musste nach Dorf Russe zurück. Somit waren
meine Mutter und ich mit den Russen alleine in Garten. Kurze Zeit später
Alarm und schon flogen die ersten englischen Flugzeuge über uns hinweg. Die
Russen bedrängten uns einen Bunker aufzusuchen. Sie wussten uns auch zu
vermitteln das diese Flugzeuge auf einer anderen Stadt ihre Bomben abwerfen würden.
Meine Mutter und ich rannten zum Schützenpark-Bunker. Nach 3 Stunden kamen
wir in unseren Garte zurück. „Unser“ Russen waren fleißig am Holzsägen.Keiner
hat den Garten verlassen bis mein Vater sie ins Lager zurück gebracht hat.
Am 22. Mai 1944 war nochmals ein Großalarm auf Kiel.
Wir flüchteten in den Chrisiane-Bunker für ungefähr 4 Stunden. Über uns
flogen 600 Flugzeuge sie ließen 300 Sprengbomben 44 Luftminen und Tausende
Brandbomben über Kiel nieder. Im Bunker brach Panik aus der Strom war
ausgefallen. Einige Leute versuchten Streichhölzer zu entzünden. Der
Sauerstoff im Bunker war so verbraucht das die Streichhölzer gleich wieder
ausgelöscht wurden. Wir konnten die Tür des Bunkers von innen nicht mehr öffnen.
Die Druckwelle von außen war zu heftig gewesen. Von außen holten uns
Soldaten aus dem Bunker der für uns fast zu ein Massengrab geworden wäre.
Das Ausmaß der Zerstörung war groß. Die Soldaten brachten uns über
brennende Trümmer über die Holtenauerstrasse zum Hohenzollernpark. Hier
waren schon unzählige weinende und schreiende Menschen. Viele haben ihr Hab
und Gut verloren.
3 Monate später sollte es noch schlimmer kommen. Es
wurden am 26 Aug 1944 1000
Sprengbomben 100 000 Brandbomben und 300 Luftminen auf Kiel abgeworfen. Kiel
wurde eine Ruine.
Über Kiel wurde bis 1945 49 559 Sprengbomben-
30 055 Brandbomben- 456
357 Stabbrandbomben- 931
Luftminen- 21 557
Phosphorbomben- 49
Phosphorkanister abgeworfen.
Es gab 633 mal Alarm
Horst Dehnst
Dithmarscher Str. 9
24539 Neumünster
Telefax: 04321-8534330
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oder an den Schulen weitergeben.
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Fotos von Günter Dehnst, dem Bruder dieses Berichtes.

Günter Dehnst.

Günter Dehnst und Stubenkameraden.

Grabkreuz Günter Dehnst.
Karte, wo Günter Dehnst gefallen ist.
MEINE ERLEBNISSE VOM KRIEG 1939-1945
Horst Dehnst GEB. 28.09.1936 in Kiel Treppenstrasse 5
Den Kriegsanfang habe ich mit meiner Mutter
im Urlaub in Ratibor am 1.09.1939 erlebt. Dort waren wir bei meiner
Großmutter mütterlicherseits. Es fuhren Panzer und Motorräder mit
Soldaten durch das Dorf Richtung Polen. Mein erstes Erlebnis war das ein
Motorrad mit Beiwagen vor meinen Augen eine Gans tot fuhr. Ich war kaum 3
Jahre alt. Der Krieg brach mit Polen aus und so hat meine Mutter mit mir den
Urlaub abgebrochen um auf dem schnellsten Weg nach Kiel zurück zu
fahren.
Mein Vater war auf einem Kriegsschiff stationiert. Das Schiff lief vor
Norwegen auf eine Mine. Mein Vater zog sich eine schwere Knieverletzung zu
und schwamm trotz dieser Verletzung an Land. Wegen dieser Knieverletzung kam
mein Vater dann nach Hause ins Lazarett. Nach seiner Genesung wurde er in
Kiel als Aufseher der russischen Kriegsgefangenen eingesetzt. Kurz vor
Kriegsende wurde mein Vater noch nach Dänemark versetzt. Von dort nach
Niebüll ins Lager der Engländer entlassen.
Meine Mutter zog mit mir während der Bombennächte nach Bad Oldesloe zur
Großmutter Väterlicherseits. So war meine Mutter mit mir nicht mehr ganz
alleine, denn meine um 12 Jahre älteren Zwillingsgeschwister waren waren
auch in diesen schrecklichen Krieg gezogen. Mein Bruder war bei der
Infanterie und meine Schwester mußte als Krankenschwester dienen. Mein
Bruder hat den Krieg bis Russland mitgemacht. Wenn die Bomben über Bad
Oldesloe fielen, lief meine Mutter und Großmutter mit mir in den
Kartoffelbunker. Dieser war 3 Meter lang und 2 Meter breit. Diesen Bunker
suchten wir auf, weil er nur 300 Meter von der Papierfabrik, wo meine
Großmutter wohnte, entfernt war. In diesem Bunker fanden ca. 15 Menschen
Platz. Wir nannten diese Schutzgebäude "Bunker", denn dieses
Schutzgebäude bestand nur aus Backsteinen. Meiner Mutter war der
Kartoffelbunker unheimlich und so zogen wir wieder nach Kiel. Da hat ein
Schutzengel die Hände über uns gehabt, denn einige Tage später erfuhren
wir, das der Kartoffelbunker von einer Bombe der Engländer getroffen wurde.
Ziel war es, die Bahngleise zu Bombardieren. Diesen Angriff hat meine
Großmutter nicht überlebt. Die Leichenteile der anderen Schutzsuchenden
wurden bis in die Bäume geschleudert. Bei diesem Umzug von Bad Oldesloe nach
Kiel hat meine Mutter eine Wäschetruhe hinterlassen. Diese Wäschetruhe
diente als letzte Ruhestätte meines Cousins, der gerade mal 9 Jahre wurde.
Auch er hat diesen Angriff nicht überstanden.
Meine Mutter und ich waren wieder in den uns vertrauten, aber nach und nach
zerstörten Kiel in der Treppenstrasse 5 wieder zu Hause. Bei jeden Angriff
rannten wir in die Bunker wo wir und gerade aufhielten. Ich glaube kaum, das
wir einen Bunker ausgelassen haben. Zur Freude meiner Mutter war auch mein
Vater mal für ein paar Tage auf Urlaub bei uns.
Aber Freude und Leid liegen oft nahe beieinander, denn zur Zeit des Urlaubs
meines Vater erreichte uns die Nachricht, das mein Bruder am 10.06.1943 in
der Nähe von Leningrad gefallen ist. Er wurde gerade mal 18 Jahre. Meine
Eltern sind daran zerbrochen, denn mein Bruder ist bis zum heutigen Tag nicht
gefunden um seine letzte Ruhe zu finden.
Der Urlaub meines Vaters dauerte nicht ewig. Die Trauer meiner Eltern war
groß, darauf nahm dieser irrsinnige Krieg keine Rücksicht und so lief meine
Mutter mit mir oft in Trance von einem Bunker zum anderen. Einmal waren die
Bomber schneller als die Sirenen heulten. Auf dem Weg zum Bunker schlugen
zwei große glühende Eisenstücke vor uns in den Boden. Unser Nachbar zeigte
uns einen Tag später diese für mich riesengroße Bombe.
Auch mein Geburtshaus wurde von den Bomben nicht verschont. Am 13. Dezember
1943 standen wir ausgebomt vor einem Trümmerhaufen. Uns wurde eine neue
Bleibe in der Kohldingstrasse beim Dreiecksplatz zugewiesen. In einem großen
Bombentrichter auf der Kreuzung Koldingstrasse/Brunswikerstrasse wurden tote
Pferde einfach entsorgt. Diese toten Pferde stanken einfach bestialisch-
waren aufgebläht. Es dauerte einige Tage bis man diesen Trichter
zugeschüttet hat. Dabei muß ich erwähnen, das wir Kinder dort gespielt
haben- zwischen Leichen und toten Tieren. Wir hämmerten uns ein Stein
zurecht, so das eine Ähnlichkeit mit einem Auto entstand, das war unser
Spielzeug. Zum Spielen waren wir Kinder oft am Bootshafen. Weil wir kein
Spielzeug hatten, haben wir uns Krebse gesucht und gefangen. Dazu fiel uns
der Wettlauf der Krebse ein. Dabei mußten wir feststellen, das die Krebse
sich seitwärts bewegen und Schutz im Seesand suchten. Wir Kinder waren so
beschäftigt, das wir die Sirenen- also Bombenalarm- nicht einmal hörten.
Unsere Eltern suchten uns. Mein Vater außer sich, einen Sohn hatte er schon
im Krieg verloren, fand uns schließlich am Bootshafen. Zu unserer Zeit gab
es noch eine Tracht Prügel auf den Po! Der Himmel war voll Bomber
bestückten Flugzeugen. Zum Glück war Kiel nicht ihr Angriffsziel.
Wo heute der Westring auf die Autobahnauffahrt führt, war früher eine
Gartenkolonie, wo wir einen Schrebergarten hatten. Meine Eltern hielten dort
einige Kleintiere: Kaninchen, Hühner, Gänse. Die Tiere mussten gefüttert
werden. Diese Aufgabe mußte meine Mutter und ich übernehmen. Zur Zeit war
mein Vater in Kiel zur Aufsicht gefangener Russen. 4 Russen wurden von meinem
Vater abgestellt um Baumstämme in unserem Garten zu zersägen. Wir hatten
nichts anderes zum Heizen und Brennen. Mein Vater konnte die Gefangenen nicht
weiter beaufsichtigen, denn seiner Obhut waren wesentlich mehr Gefangene
anvertraut. Somit war meine Mutter mit mir und den Gefangenen alleine im
Garten. Wir hörten in der Ferne wieder Flugzeuge, bekamen Angst. Die Russen
beruhigten uns aber und meinten, die Fliegen über Kiel hinweg, die haben ein
anderes Ziel. Meine Mutter lief trotzdem mit mir in den nächsten Bunker -
Schützenpark - die Russen behielten Recht. Die Bomber waren nicht für Kiel
bestimmt. Nach unserer Rückkehr vom Bunker sägten die Russen fleißig das
Holz.
Einige Tage später- wir wollten unsere Viecher im Garten füttern- kamen wir
nur bis zum Eingang der Gartenkolonie. Die Kolonie wurde von Soldaten und der
Polizei abgesperrt. Eine Luftmine war in die Kolonie gefallen ohne zu
explodieren. Sie lag 20 Meter von unserem Garten entfernt und sollte
entschärft werden. Meine Mutter wollte ihre Gedanken nicht zu Ende denken...
was wäre gewesen, wenn diese Luftmine zur Explosion gekommen wäre?????
Ich erinnere mich, das wir einmal 14 Stunden im Christiane-Bunker verbringen
mußten. Das muß der 3. Mai 1845 gewesen sein. Die Angriffe auf Kiel waren
so groß und heftig, das wir glaubten, jetzt ist alles vorbei, unser Ende ist
gekommen. Einige Leute hatten Streichhölzer bei sich, wollten diese
Anzünden, aber es klappte nicht. Der Sauerstoff im Bunker war so sehr
verbraucht, das nicht mal mehr ein Streichholz zündete. Soldaten holten uns
letztlich aus dem Bunker. Sie führten uns durch ein brennendes, zerbombtes
Kiel- für mich ein Inferno. In der Holtenauerstrasse, Ecke Jungmannstraße,
ließen die Soldaten uns alleine. Wir orientierten uns auf den
Hohenzollernpark, wo sich schon viele Menschen versammelt hatten. Wir stiegen
über Feuerwehrschläuche, alte Menschen, Kinder... fast alle waren
obdachlos. Meine Mutter wurde von Unruhe überwältigt. Steht unsere Bleibe,
unser Haus, in dem wir wohnten, eigentlich noch? Dort angekommen, stellten
wir fest, das zum Glück nur die Fensterscheiben fehlten. Wir hatten noch
Glück, noch ein Dach über den Kopf. Aufgeregt kam ein Nachbar aus der 2.
Etage und berichtete, das eine Brandbombe bei ihm im Schlafzimmer in den
Ehebetten lag. Diese Bombe ist durch das Dach bis in die 2. Etage gelangt,
ohne zu Explodieren. Wir hatten doch einen Schutzengel in der Nähe. In der
1. Etage bei Familie Stocklausner hatte sich ebenfalls ein großer
Bombensplitter ins Bett gelegt. Wir lagen uns mit den Nachbarn in den Armen
und freuten uns nun doch, das nicht mehr passiert war.
Ein anderes Erlebnis, das mich bis heute verfolgt, muß ich unbedingt noch zu
Papier bringen! Soldaten haben stundenlang versucht, einen Mann aus den
Trümmern Ecke Koldingstrasse / Brunswikerstrasse zu befreien. Er war unser
Schuster. Nachdem dieser Mann endlich aus den Trümmern auf den eigenen
Beinen stehen konnte, wurde er erschossen, einfach so! Später wusste ich
warum! Er war ein Jude, wie Du und Ich!
Die Schwester meiner Mutter erlebte allein in Trier den Krieg. In ihrer Angst
bat sie meine Mutter, sie nach Kiel zu holen. Da meine Mutter auch mit mir
alleine war, freute meine Mutter sich, das ihre Schwester sie bat, sie nach
Kiel zu holen. Der Schmerz um den gefallenen Sohn war immer noch sehr groß.
Es war gar nicht ganz einfach für meine Mutter, die Fahrt nach Trier alleine
zu wagen. Mich brachte sie erst einmal zur Großmutter nach Ellerbeck,
Hollwisch 23. Die Reise meiner Mutter dauerte 14 Tage, bis sie endlich mit
ihrer Schwester nach Kiel zurück kehrte.
In Ellerbeck vor dem Haus meiner Großmutter standen 2 riesige Metallfässer.
Bei Alarm kam ein Mann und öffnete diese Fässer. Daraus strömten große
Nebelschwaden. Somit wurde Ellerbeck eingenebelt und die Bomber konnten
unsere Häuser nicht mehr sehen. Wir blieben dann von den Angriffen
verschont. In der Koldingstrasse wohnte ein Ehepaar, der Mann war auf dem
Flugplatz beschäftigt. Bei Bombenalarm hat er schnell seine Frau
benachrichtigt. Diese lief dann mit einer Trillerpfeife durch die Strasse und
kündigte so den Alarm an. Die Sirenen waren durch die zerbombten Häuser
zerstört worden. In der damaligen Zeit waren die Menschen aufeinander
angewiesen, obwohl sich wiederum jeder der nächste war, die Menschen
rückten enger zusammen. Auch wurde vom Hafen ein Alarmsignal gegeben. Sie
schossen 2 mal, das bedeutete Voralarm. Bei 3 Schüssen war Vollalarm.
Meine Schwester kam hin und wieder mal in Urlaub nach Hause. Alarm war für
sie als Krankenschwester nichts ungewöhnliches. Meine Mutter war mit mir
schon im Bunker, da hat meine Schwester immer noch nicht reagiert. Nachdem
die Bomben dann fielen, da wollte sie auch zum Bunker laufen. Durch den
Luftdruck der Bomben flog sie durch eine geschlossene Tür in den Keller des
Nachbarhauses. Hier hatten sich Zwangsarbeiter versteckt. Meine Schwester ist
von den Männern gut beschützt worden. Das war nicht immer so!!
Die Erlebnisse des Krieges meiner Schwester müssen in ihren jungen Jahren
seelisch schlimmes angerichtet haben. Sie musste mit 17 Jahren tote Soldaten
ganz alleine im Fahrstuhl in den Keller transportieren. Bei ihren letzten
Besuch aus USA 2003 in Deutschland haben sie diese Erlebnisse noch stark
beschäftigt.
Die Jugend hat der Krieg uns genommen. Schulen waren kaputt, Unterricht gab
es kaum. Nach dem Krieg hatten wir keine Aufstiegsmöglichkeiten - ohne
Bildung. Wir haben Deutschland wohl aufgebaut, aber viele Menschen nur als
Arbeiter! Es waren überwiegend Frauen, die ihren Mann stehen mussten. Ihre
Männer und Söhne hat der schreckliche 2. Weltkrieg einfach nicht mehr
hergegeben.



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